Gute Ergebnisse für Kindertagespflege

Kindertagespflege unterstützt die frühkindliche Entwicklung in besonderer Weise. Dies zeigt auch ein aktuelles Forschungsprojekt, das in Österreich durchgeführt wurde. Im Interview mit dem Bundesfamilienministerium zieht Prof. Dr. Lieselotte Ahnert das Resümee: „Kindertagespflege ist bindungsbezogen, anregend und kindorientiert“

 

Was haben Sie und Ihr Team in der Studie „Parenting and Co-Parenting“ untersucht?

 

Frau Prof. Ahnert: Die Studie wurde mit Unterstützung der Jacobsfoundation in Niederösterreich durchgeführt. Mit kleinen Studententeams haben wir dort über die letzten zwei Jahre 300 Familien aufgesucht. 200 Familien hatten Kindertagespflege für die Betreuung ihrer Kinder in Anspruch genommen, während 100 Familien ihre Kinder nur zu Hause betreuten. Im Mittelpunkt standen dabei Vergleiche zwischen diesen unterschiedlich betreuten 12 bis 24 Monate alten Kleinkindern in Bezug auf ihre Denk- und Sprachentwicklung, ihr Sozialverhalten und Wohlbefinden.

 

Was zeichnet die Bildung, Betreuung und Erziehung von Kindern unter drei Jahren in der Kindertagespflege aus?

 

Frau Prof. Ahnert: Wir waren überrascht, auf welch hohem Niveau Kindertagespflege in Niederösterreich angeboten und organisiert und in welcher Weise Betreuungsqualität umgesetzt und überprüft wird. Wir haben vielfach beobachten können, wie engagierte Tagesmütter und Tagesväter ihre privaten Wohnumwelten professionell ausgestalten, oft mit dem eigenen Spielplatz im Vorgarten. Bildung, Betreuung und Erziehung war dementsprechend bindungsbezogen, anregend und kindorientiert, so wie dies auch von den Qualitätsstandards für öffentliche Kindereinrichtungen bekannt ist.

 

Wo liegen die Unterschiede zum Angebot der Kitas?

 

Frau Prof. Ahnert: Die Unterschiede liegen eindeutig im Bereich der Beziehungsgestaltung. Die ersten Auswertungen unserer Studie zeigen es: Die Beziehungsmuster eines Kleinkindes zur Tagesmutter bzw. zum Tagesvater waren individueller ausgeprägt und auf die Bindungsbedingungen besser angepasst, als wir das aus unseren Krippenstudien (auch aus Österreich) kennen.

 

Wie lässt sich die Beziehung zwischen Kind und Tagespflegeperson beschreiben?
 

Frau Prof. Ahnert: Beziehungen lassen sich bei den wenigen Kindern in der Kindertagespflege einfach besser gestalten, sodass das Kind aus dieser Beziehung viele positive Einflüsse für seine Gefühlswelt gewinnt. Die Tagesmutter-Kind-Beziehung wirkt sich dann maßgebend auf die Abstimmung gemeinsamer Aktivitäten aus. Die Kinder lassen sich gut anleiten und sind damit im eigentlichen Sinne „bildbar“, was ihrer Denk- und Sprachentwicklung zugutekommt.

 

Was sind die Besonderheiten der Bindung zwischen Kind und Tagespflegeperson im Vergleich zur Bindung des Kindes zu seinen Eltern?


Frau Prof. Ahnert: Für ein Kind ist die Bindung zu seinen Eltern eine besondere Beziehungserfahrung. Diese können auch von einer Tagesmutter oder einem Tagevater nicht ersetzt werden. Wohl aber kann die Tagesmutter bzw. der Tagesvater auf bestimmte kindliche Kompetenzen zielführend einwirken. In unserer Studie zeigte sich bereits, dass ein Kind viel häufiger in der Kindertagespflege in einer selbstbestimmten Weise tätig wird und seine Gefühle viel besser als zu Hause eigenregulieren kann. Fähigkeiten der Handlungs- und Emotionsregulation aber sind zentrale Kompetenzen, die auch das spätere Sozialverhalten bestimmen und wichtig für Anpassungsprozesse bei allen neuen Situationen sind.

 

Zur Person:

Univ.-Prof. Dr. Lieselotte Ahnert Professorin für Entwicklungspsychologie an der Universität Wien. Davor erhielt sie Professuren an der Hochschule Magdeburg-Stendal und an der Universität zu Köln. Von 1991 bis 2001 leitete sie das „Interdisziplinäre Zentrum für Angewandte Sozialisationsforschung“ in Berlin, zwischen 1996 und 1999 war sie als Austauschwissenschaftlerin am National Institute of Child Health & Human Development (Bethesda, USA) im Department für Soziale & Emotionale Entwicklung tätig. Nach ihrer Promotion sammelte sie praktische Erfahrungen als Leitende Psychologin in 52 Berliner Kinderkrippen. Große Resonanz erfährt ihr Buch „Wie viel Mutter braucht das Kind? Bindung, Bildung und Betreuung: öffentlich und privat“.
 

 

Mit freundlicher Genehmigung des BMFSFJ

 

Familienzentren liegen im Trend

Viele KiTas und auch andere Einrichtungen machen sich in Niedersachsen derzeit auf dem Weg, um zu einem Familienzentrum zu werden. Aber was genau macht ein Familienzentrum aus? Warum ist das Thema so aktuell? Und: Welche Unterstützung brauchen Einrichtungen auf ihrem Weg zu einem Familienzentrum?


Diese und weitere Fragen standen im Fokus einer Online-Befragung des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe), an der knapp 450 KiTas, Familienbildungsstätten, Mehrgenerationenhäuser und ähnliche Einrichtungen teilgenommen haben. Davon verstehen sich schon gut 70 als Familienzentren und 130 sind auf dem Weg dorthin.
 

 

Ausschlaggebend hierfür ist, dass sich die Praxis den verändernden gesellschaftlichen Bedingungen anzupassen versucht und hier ein deutlicher Bedarf nach familienunterstützenden Angeboten wahrgenommen wird. Dies ist insbesondere auch bei den KiTas und anderen Einrichtungen der Fall, die sich selbst als in „sozial benachteiligten“ Regionen befindend einschätzen.

 

Verbindliche Definition fehlt noch
 

Grundsätzlich gibt es in Niedersachsen allerdings noch keine verbindliche Definition darüber, was ein Familienzentrum ausmacht. Als Kernaufgaben werden aber familienunterstützende Angebote für Eltern und Kinder aus dem sozialen Umfeld der Einrichtung sowie die intensive Einbeziehung der Eltern in die Bildungsprozesse ihrer Kinder angesehen. Vor diesem Hintergrund wird der Early excellence-centre-Ansatz von rund einem Viertel der Befragten als geeignete konzeptionelle Grundlage aufgefasst.


Grundsätzlich basiert ein Familienzentrum auch auf der sozialräumlichen Vernetzung mit Kooperationspartnern. Ganz oben steht bei den Befragten dabei die Kooperation mit der benachbarten Grundschule, mit Beratungsstellen und der Gesundheitsförderung. Aber auch die Kooperation mit Familienservicebüros, Familienbildung sowie Sport- und Kulturvereinen spielt eine gewichtige Rolle.


Nur wenig zusätzliche Ressourcen

 

Nur knapp 30% der befragten bestehenden Familienzentren bekommen zusätzliche finanzielle Unterstützung oder Personalressourcen für ihre erweiterten Angebote. Bei den sich auf den Weg befindlichen Einrichtungen sind dies sogar nur deutlich unter 10%. Zusätzliche Unterstützung erfahren die Einrichtungen insbesondere durch die Fachberatung, durch ehrenamtliches Engagement und Fortbildungen.


Von über 80% der Befragten wird jedoch ein weiterer Bedarf an Fortbildung und Begleitung aus der Praxis zur Entwicklung bzw. Etablierung der Familienzentren formuliert. Insbesondere Fortbildungen zur Gestaltung von Kooperationen und Netzwerken sowie zur Organisationsentwicklung und integrierter Familienarbeit werden hier von den Befragten benannt, aber auch Prozessbegleitung ist gefragt. Rund 60% der Befragten sehen auch Fachtagungen, Materialien und Handreichungen als hilfreich an.


Im nifbe wird das Thema Familienzentren durch eine von Heike Engelhardt koordinierten landesweiten Expertengruppe begleitet. Hier sollen nun auf Grundlage der Ergebnisse der Befragung unterstützende Angebote wie Beratung und Handreichungen entwickelt sowie auch Empfehlungen an die Politik bzw. die KiTa-Träger formuliert werden.
 

 

Ergebnisse im Detail

 

Neue Studie zu Bewegung und Medienkonsum von Kindern

Medienkonsum dominiert die Freizeit vieler Kinder und die gemeinsame Bewegung in der Familie hat nur noch einen geringen Stellenwert – dies sind die zentralen Ergebnisse einer repräsentativen Erhebung der Plattform Ernährung und Bewegung e.V (peb), für die insgesamt 700 Mütter von Kindern im Alter von sechs bis zwölf Jahren befragt wurden.

 

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Ministerin Wanka macht sich für MINT in KiTas stark

In rasanter Weise ist in den letzten Jahren das Wissen um die entscheidende Bedeutung der ersten Jahre unserer Kinder und ihre bestmögliche Förderung und Unterstützung gewachsen. Unter dem Motto „Wissen macht sich auf die Reise“ bot das Regionalnetzwerk SüdWest des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe) daher rund 150 elementarpädagogischen Fachkräften im Lingener IT-Zentrum die Gelegenheit, sich über aktuelle Themen und Entwicklungen zu informieren und sie zu diskutieren. Als prominente Gäste machten sich unter anderem die Niedersächsische Wissenschaftsministerin Johanna Wanka sowie der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, Hermann Kues, mit auf die Wissens-Reise.

 

Kinder symbolisieren die Wissens-Reise

 

"Wunderbare Noten" für das nifbe

Prof. Dr. Johanna WankaNiedersachsens Wissenschaftsministerin Johanna Wanka unterstrich angesichts der demographischen Entwicklung und der globalisierten Wirtschaft die Bedeutung von MINT (Mathematik, Informatik, Mathematik und Technik) schon in der frühkindlichen Bildung. Auf spielerische Art sollten die Kinder schon so früh wie möglich mit diesen Themen in Berührung kommen und dabei erfahren, dass sie Spaß machen. Wanka hob hier die intensive Kooperation des nifbe-SüdWest mit dem Haus der kleinen Forscher, aber auch dem Institut für Kognitive Mathematik der Universität Osnabrück oder der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland heraus. In innovativer Konzeption vereine das vor knapp gut vier Jahren gegründete nifbe landesweit Forschung, Vernetzung und Transfer und habe in einer aktuellen wissenschaftlichen Evaluation dafür „ganz wunderbare Noten“ bekommen. „Und daher geht es mit der Finanzierung des nifbe auch nach 2012 weiter“ versprach die Wissenschaftsministerin.

 

"Faire Chancen für alle Kinder"
Dr. Hermann Kues„Faire Chancen von Anfang an für alle Kinder“ forderte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, Hermann Kues. Dies erfordere neben dem quantitativen Ausbau von Krippen und KiTas auch eine hohe Qualität, um gerade auch Kinder aus sozial benachteiligten Familien frühzeitig und individuell fördern zu können. „Hier müssen wir uns auch noch Gedanken über die Rahmenbedingungen wie die Vergütungsstruktur oder den Personalschlüssel machen“ räumte Kues ein und erntete dafür den Applaus der Tagungs-TeilnehmerInnen.


Landrat Reinhard Winter bekannte sich zur „der auch kommunalen Verantwortung“ in der frühkindlichen Bildung und stellte den Weg des Emslandes zu einer „Bildungsregion“ dar. Massiv seien in den vergangenen Jahren Krippen ausgebaut worden und 98% der vier bis sechsjährigen besuchten im Emsland schon eine KiTa. „An der Bildung sparen ist teuer“ unterstrich Winter und wies damit auch auf den volkswirtschaftlichen Nutzen von Bildung und ihren präventiven Aspekt hin.


Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone stellte auf der Tagung heraus, dass eine gelingende frühkindliche Bildung und Entwicklung auf die Vernetzung der vielen unterschiedlichen Akteure in diesem Feld und die enge Verzahnung von Wissenschaft und Praxis angewiesen sei. Hier leiste das nifbe „etwas ganz Besonderes“.


Tagungs-TeilnehmerInnen beim Handwerken

In zehn praxisorientierten Workshops konnten Tagungs-TeilnehmerInnen in der Folge neue Erkenntnisse und Ansätze zur frühen mathematischen Förderung und zum Handwerk in KiTa und Grundschule sowie zum Dialog mit Eltern und einer Gesunden Ernährung von Anfang an kennen lernen. Zum Abschluss präsentierte das Lingener Impro-Theater „Sinn und Wahn“ Amüsantes und Nachdenkliches rund um das Thema Erziehung und Bildung in der frühen Kindheit.
 

Leicht verbesserter Personalschlüssel in Krippen

Das zahlenmäßige Verhältnis zwischen pädagogisch tätigen Personen und betreuten Kindern in Kindertageseinrichtungen hat sich in Gruppen mit Kindern im Alter bis 2 Jahre weiter verbessert. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, war zum Stichtag 1. März 2011 bundesweit in diesen Gruppen eine Betreuerin oder ein Betreuer für 4,7 Kinder verantwortlich. Ein Jahr zuvor lag das Betreuungsverhältnis bei 1 zu 5,0, im März 2007 hatte der Personalschlüssel noch 1 zu 5,7 betragen.

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Ministerin Wanka zeichnet nifbe aus

Das Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe) ist gemeinsam mit 24 weiteren niedersächsischen Preisträgern mit der offiziellen Ehrentafel des Wettbewerbs „365 Orte im Land der Ideen“ ausgezeichnet worden. Anlässlich eines Empfangs im Gästehaus der Niedersächsischen Landesregierung begrüßte die Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Prof. Johanna Wanka, die 25 Preisträger, deren Ideen und Projekte Beispiele für die ausgeprägte Innovationskultur hierzulande und Spiegelbild bedeutender Zukunftstrends sind. Um das Engagement der Menschen zu fördern und vorbildliche Ideen sichtbar zu machen, realisiert die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ gemeinsam mit der Deutschen Bank bereits seit 2006 den bundesweiten Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“.

 

Ministerin Wanka überreicht nifbe-Vertreter Dr. Karsten Herrmann die EhrentafelMinisterin Prof. Johanna Wanka beglückwünschte das nifbe zu seiner Auszeichnung und überreichte die offizielle Ehrentafel des Wettbewerbs: „Die Landesregierung freut sich über so viel Einfallsreichtum und Umsetzungsstärke. Positiv ist, dass im Vergleich zum Wettbewerb im Vorjahr noch drei niedersächsische Projekte mehr ausgewählt wurden und wir damit den sechsten Platz unter den Ländern einnehmen“, so die Ministerin.


nifbe-Direktorin Prof. Dr. Renate Zimmer wertete die Auszeichnung als „Würdigung für den innovativen Ansatz des nifbe, mit dem Wissenschaft und Praxis in Niedersachsen beispielhaft verbunden werden.“ Sie hob auch das hohe Engagement der nifbe-Akteure und der an vielen Stellen geleisteten ehrenamtlichen Arbeit heraus.


„Hinter den ‚Ausgewählten Orten 2012‘ stehen Ideen, die begeistern – von Menschen, die echtes Engagement zeigen. Sie stehen für Fortschritt und Zukunft in Deutschland“, gratulierte Walter Flecken von der Deutschen Bank in Hannover.


Am 30. Juni präsentiert sich das nifbe im Rahmen eines gemeinsam mit der Universität Osnabrück, der Bürgerstiftung Osnabrück und der Bewegungsstadt Osnabrück großen Kinder-Bewegungsfestes am Jahnplatz als „Ausgewählter Ort“ auch der Öffentlichkeit.
 

Gruppenfoto der Preisträger

Empfang der Preisträger 2012 aus Niedersachsen im Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“, unten rechts nifbe-Vertreter Dr. Karsten Herrmann 

Fotos: © Deutschland – Land der Ideen / Uwe Völkner, Fotoagentur FOX

 

Bund fördert neue Familien-Netzwerke

100 Einrichtungen der Familienbildung werden als "Elternbegleitung Plus" in den kommenden drei Jahren vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert, um Eltern mehr Unterstützung in Bildungsfragen zu geben.

"Eltern wollen, dass ihre Kinder auf ihrem Bildungs- und Lebensweg erfolgreich sind. Oft fehlen ihnen aber praktische Hinweise, auf welche vorhandenen Mittel und Wege sie für eine gute frühe Förderung in ihrem direkten Umfeld zugreifen können", sagte Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Kristina Schröder. "Die Modellstandorte 'Elternbegleitung Plus' zeigen, wie sich vor Ort Netzwerke rund um das Thema der Bildungsbegleitung knüpfen lassen, damit Mütter und Väter Informationen und Anregungen aus einer Hand erhalten.“
 

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NUBBEK: Viel zu tun in der frühkindlichen Bildung

Erste nationale Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit (NUBBEK) in Berlin vorgestellt

In Deutschland fällt die pädagogische Qualität der Bildung, Betreuung und Erziehung von kleinen Kindern im Durchschnitt nur mittelmäßig aus. Das ergab eine bundesweite Studie, deren Ergebnisse heute in Berlin vorgestellt wurden. Innerhalb jeder Betreuungsform be-stehen demnach erhebliche Unterschiede: Die pädagogische Qualität in Kindergärten, Krippen, altersgemischten Gruppen, Tagespflegestellen und Familien reicht von unzureichend bis gut und ausgezeichnet. Weiterhin ergab die Untersuchung, dass nach wie vor Ost-West-Unterschiede in der Qualität der Betreuungseinrichtungen zu beobachten sind. Trotz verschiedener Reformanstrengungen in den letzten 15 Jahren hat sich die Qualität der pädagogischen Prozesse in Kindergartengruppen im Durchschnitt in Deutschland nicht verbessert.
 

Mit NUBBEK liegt die erste bundesweite Studie vor, die die Qualität der Bildung, Betreuung und Erziehung in Kindergärten und Krippen, sowie in altersgemischten Gruppen, in Tagespflegestellen und Familien, auch im Vergleich zwischen Familien mit und ohne Migrationshintergrund, systematisch analysiert. Über einen Zeitraum von zwei Jahren wurden in acht Bundesländern zwei- und vierjährige Kinder, ihre Familien und ihre Betreuungseinrichtungen in die Untersuchung einbezogen. Dabei besuchten die Forscher rund 2000 Kinder und ihre Familien und begutachteten die pädagogische Arbeit in annähernd 600 Betreuungseinrichtungen. Neben mehrstündigen Beobachtungen wurden Tests mit Kindern und ausführliche Interviews mit Eltern und Fachpersonal durchgeführt sowie der Bildungs- und Entwicklungsstand der betreuten Kinder erfasst.

 

Einen besonderen Schwerpunkt legen die Herausgeber der Studie auf Kinder und Familien mit russischem und türkischem Migrationshintergrund. Sie bilden die größte Migrantengruppe in Deutschland. Die Ergebnisse zeigen für Kinder mit und ohne Migrationshintergrund: Der Bildungs- und Entwicklungsstand der Kinder steht stärker mit den Lebensbedingungen in ihren Familien in Zusammenhang als mit der pädagogischen Qualität in den außerfamiliären Betreuungseinrichtungen.


Die Autoren der Studie, zu denen auch nifbe-Forscherin Prof. Dr. Heidi Keller gehört, ziehen den Schluss, dass der quantitative Ausbau der Kinderbetreuung durch nicht minder intensive Anstrengungen zur Verbesserung der pädagogischen Qualität begleitet werden muss.

 

Der ausführliche Forschungsbericht erscheint im Herbst 2012 und liefert weitere detaillierte Aussagen zum Zusammenwirken verschiedener Betreuungsformen, zur Beschaffenheit der pädagogischen Qualität in den verschiedenen Betreuungsformen und in Familien, sowie zu Beziehungen zwischen der pädagogischen Qualität der Betreuungsformen und dem Bildungs- und Entwicklungsstand der Kinder. Die Ergebnisse der Studie bieten Politik und Praxis eine wissenschaftliche Grundlage bei Fragen zur qualitativen Weiterentwicklung der Kinderbetreuung und zum Entwicklungsstand der Kinder.

NUBBEK ist eine unabhängige Studie. Sie wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), der Jacobs Foundation und der Robert Bosch Stiftung, sowie den Bundesländern Bayern, Brandenburg, Niedersachen und Nordrhein-Westfalen.

 

Quelle und weitere Infos:www.nubbek.de

Aktionsrat Bildung fordert Quantensprung bei Professionalisierung

In seinem neuen Gutachten zur „Professionalisierung in der Frühpädagogik kommt der „Aktionsrat Bildung“ zu dem Schluss, dass deutsche Kindertagesstätten „pädagogisch nur Mittelmaß“ seien. Zugleich unterstreicht er, dass hier „das entscheidende Fundament für zukünftige Bildungskarrieren gelegt werde. Entscheidend dafür seien „eine gute Qualität der Bildungsangebote und der Zugang aller Kinder zu vielfältigen Lerninhalten. Eine „Schlüsselrolle“ spiele hierbei das pädagogische Fachpersonal und dies benötige „alle gebotene Unterstützung, um seiner Rolle in der Erziehungs-, Bildungs- und Betreuungsarbeit in Kindertagesstätten bestmöglich gerecht werden zu können.“ Deshalb fordert der Aktionsrat auch einen „Quantensprung“ bei der Qualifizierung des frühpädagogischen Personals und die Entwicklung eines „koordinierten Gesamtkonzeptes für die Aus-, Weiter- und Fortbildung“ sowie eine höhere Bezahlung. Insgesamt müssten die Investitionen in den frühkindlichen Bereich erhöht werden. Der Aktionsrat Bildung ist ein Gremium renommierter Bildungsforscher, das von der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) 2005 gegründet wurde. Vorsitzender ist Dieter Lenzen, Präsident der Hamburger Universität.

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Modellversuch: Kita und Grundschule unter einem Dach

Die Übergänge vom Kindergarten in die Grundschule sollen in Niedersachsen noch kindgerechter und flexibler werden. Grundlage dafür ist eine engere Verzahnung der pädagogischen Arbeit in Kindertagesstätten und Grundschulen. Wie dies konkret aussehen kann, wird ab dem kommenden Schuljahr an landesweit acht Modellstandorten erprobt.

 

Die Ausschreibung für die Standorte des Modellvorhabens „Kita und Grundschule unter einem Dach" beginnt ab sofort. „Unser Ziel ist es, dass Kindertagesstätten und Grundschulen konzeptionell noch stärker zusammenwachsen", sagte Kultusminister Dr. Bernd Althusmann. „Dafür knüpfen wir an die im erfolgreichen Modellvorhaben ‚Brückenjahr' erzielten Ergebnisse an. Bildung für Kinder von 0 bis 10 Jahren soll künftig in Niedersachsen noch kindgerechter und ohne institutionelle Brüche gestaltet werden - also ‚unter einem Dach'."

 

Das Kultusministerium wird die ausgewählten Modellstandorte über einen Zeitraum von drei Jahren mit bis zu 30.000 Euro pro Jahr fördern. Sie sollen praxistaugliche Bildungsansätze für eine gemeinsame, multiprofessionell angelegte Förderung von Kindern im Übergang vom Kindergarten in die Grundschule entwickeln und erproben. Mit Unterstützung ihrer jeweiligen Träger arbeiten hier mindestens eine Grundschule und mindestens eine Kindertagesstätte zusammen.

 

Es ist vorgesehen, dass die Ergebnisse des Modellvorhabens in praxisorientierte Handlungsempfehlungen und neue Qualifizierungskonzepte für die pädagogische Arbeit mit Kindern zwischen 0 und 10 Jahren einfließen sollen.

 

Bewerbungen sind bis zum 29. Juni 2012 möglich, die Auswahl der Modellstandorte erfolgt im Juli unter Einbeziehung eines Fachbeirats. Die Bewerbungsunterlagen sind unter www.mk.niedersachsen.de im Internet verfügbar.

 

 

Quelle: Niedersächsisches Kultusministerium

Medienkompetenz-Konzept für Niedersachsen

Ab dem frühen Kindesalter ist unsere Welt bereits von Medien geprägt – von Musikmobiles für die ganz Kleinen über (auch schon sprechende) Bilderbücher, Hörspiel- und Musik-CD’s bis hin zu Computerspielen, Fernsehen und Kino. Das Land Niedersachsen hat Anfang 2012 nun ein Medienkompetenz-Konzept veröffentlich, dass auch ausdrücklich von der frühkindlichen Bildung über Schule und Ausbildung bis hin zum lebenslangen Lernen reicht.

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